Aktuelle Andacht | Themen

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Andacht

Siehe, ich habe dich auf meine Hand gezeichnet,
spricht der Herr.
(Jesaja 49,16)

Erinnern Sie sich noch an Ihre Schulzeit? 
Die Handfläche wurde zum Spickzettel für die ungeliebte mathematische Formel oder die Vokabel, die einfach nicht im Kopf bleiben wollte. Ein Rettungsanker, eine Absicherung, ein Trost. 
Manch eine Kinderhand wird zum Kunstobjekt - übersät von Bildern, Namen und Erinnerungen des Tages – Spuren von kurzer Dauer, weil sie am Abend wieder abgewaschen werden.

Meine Hand, die ich einem anderen Menschen reiche, um ihn zu unterstützen. 
Eine Hand, die mir in Not dargeboten wird und mir das Gefühl von Geborgenheit und Schutz bietet. 
Hände, die anpacken, zupacken und jede noch so schwere Aufgabe meistern. 
Hände, die einem Instrument sanfte Töne entlocken und sich mit anderen zu einem gemeinsamen Klang verbinden.

Im Alltag sind sie eines der am meisten gebrauchten Körperteile, ohne das wir Menschen kaum zurechtkommen. Sie sind uns ständig vor Augen und an fast jeder
alltäglichen Tätigkeit beteiligt. Ohne sie sind wir hilflos, auf andere angewiesen und können viele Aufgaben nicht mehr aus eigener Kraft bewältigen.

Mein Name steht für alle Zeit in Gottes Hand geschrieben und ist ihm immer vor Augen und im Bewusstsein. 
Ich bin nicht zu gering, zu klein oder zu wertlos, um dem allmächtigen Vater unendlich wichtig zu sein. 
Gott spricht uns mit diesem Bibelvers seine Unterstützung zu und definiert den Wert jedes einzelnen Menschen in ganz besonderer Weise.

Bald schon feiern wir wieder Ostern und erinnern uns an die durchbohrten Hände Jesu, der durch seinen Tod am Kreuz unsere Schuld trägt. 
Unter Schmerz, Spott und Hohn wurde er an den Balken zwischen zwei Sünder gehängt und starb einsam und allein. 

Mein Name steht zwischen den Narben, die dieser Tag als tiefe Spuren für immer in seinen Händen hinterlassen hat. Spuren, die uns Hoffnung und Trost in dieser verlorenen Welt sind.

Ich wünsche Ihnen Hände, die sich brauchen lassen und für Ihre Mitmenschen zum Segen werden. 
Ich wünsche Ihnen Hände, die sich Ihnen entgegenstrecken und Ihnen Sicherheit und Vertrauen bieten.
Ihre Judith Schmid 

 


Themen

Im Dialog - Thema Fürbitten 

Barbara Bauer:

das hinterleuchtete Glaskreuz hilft mir, mich auf die Für-Bitte zu konzentrieren
Bildrechte: Bauer

Früher habe ich Fürbitten-Gebet im Rahmen der Liturgie kaum wahrgenommen.

Erst bei der Vorbereitung zur Hochzeit 1989 hat mein Mann diese besondere Gebetsform beleuchtet. Er ist katholisch aufgewachsen. In der katholischen Kirche werden die Heiligen angerufen, um Fürbitte bei Gott einzulegen. Das Gefühl, dass besonders in diesem Gebet sich die Gemeinde mit demjenigen verbindet, für den Fürbitte gehalten wird, war für ihn sehr präsent.

Seither achte ich mehr auf die Fürbitten, die in der evangelischen Kirche direkt an Gott gerichtet werden. Bisweilen wird ganz deutlich, mit wieviel Sorgfalt, Umsicht und genau an Bedürfnissen ausgerichtet manche Fürbitten formuliert werden und dann nehme ich diese Anliegen in meinen Gedanken mit.

Man kann auch selbst im Stillen ein Gebet für jemand anderen sprechen, also Für-Bitte halten.


Pfarrer Jean-Pierre Barraud: „Das Gebet ist ein Gespräch“

So lautet eine kurze Definition zum Gebet. Das Gebet als Gespräch mit Gott setzt dabei ein Gegenüber voraus, das nicht nachweisbar im Raum ist, aber dessen Annahme von größter Bedeutung für das Gebet ist. Das Gebet ist eine zeit- und ortsunabhängige Redeform der Menschheitsfamilie. Durch das Gebet treten wir Menschen in eine Beziehung zu Gott. Prof. Michael Meyer-Blanck schreibt zum Gebet: „Das christliche Gebet ist das Gespräch mit Gott durch und mit Jesus im Heiligen Geist, durch das wir unserer Beziehung zu dem uns schaffenden, befreienden und heiligen Gott gewiss werden.“ 

Zu unterscheiden sind dabei das persönliche Gebet in einer Kirche vom öffentlichen Gebet in einem Gottesdienst. Der Adressat bleibt der Gleiche, aber das Gebet verändert sich vergleichbar einem Gespräch mit einer Freundin oder einem Freund im einen Fall und im anderen Fall hat es den Charakter auf eine größere Hörerschaft ausgerichtet zu sein um mit ihnen vor Gott zu beten. 

Das Gebet wird von einer Erwartung getragen. Nämlich gehört zu werden vom Gegenüber. Um überhaupt beten zu können, braucht es die Übung. Formulierte Gebete können dabei eine große Hilfe sein. 

Aber zum Gebet gehört auch das Stammeln. Das nach Worten ringen. Das unfertige, das ausgesprochene wird dabei verknüpft mit der Annahme, dass nicht mein Wille, sondern sein Wille geschehe. 

Vor dem Beten steht immer auch das Schweigen. Im Wahrnehmen des eigenen Atems können die Worte beginnen zu fließen. Martin Luther schrieb deshalb: „Nächst dem Predigtamt ist das Gebet das höchste Amt in der Christenheit.“ Denn „das Gebet kommt aus einer Gegend, wo die Worte versagen“ wie sich Dirk Pilz ausdrückt. Mit einem Gebet nähert man sich Gott, der alle Sprache übersteigt.

Zum Abschluss ein Fürbittengebet in „leichter Sprache“, das ich in einem Buch über die Kunst des Gebets gefunden habe: 
„O Gott! Wir seufzen.
 Sorgen plagen uns. 
Machen uns das Leben schwer. 
Jedes Lächeln ist verschwunden. 

Gott, wir bringen unsere Sorgen vor dich. 
Bitte! Nimm sie an und trag mit! 
O Gott! Wir rufen verzweifelt. 

Dunkle Gedanken quälen uns in der Nacht. 
Wie geht es nur weiter? 
Die schönen Dinge - wir sehen sie nicht mehr. 

Gott, gib uns Hoffnung! 
Mein Gott! Wie schön! 
Kleine Dinge zaubern ein Lächeln. 
Eine Blumenwiese, ein Sonnenstrahl, ein aufmunternder Blick. 

Gott, sorg du für uns! 
Bitte! 
Dann wird das Leben leicht. 
Amen.“  


Gedanken zum Gottesdienst mit Jahreslosung oder

Wie hören Sie eine Predigt?

das Zeltdach in der Andreaskirche
Bildrechte: Bauer

Zu meiner Zeit erinnerte der Kindergottesdienst sehr an den Religionsunterricht in der Schule, bei dem Frau Herold wahlweise Fleißbildchen verteilte, wenn man brav seine Texte auswendig gelernt hatte oder in eine freie Zimmer-Ecke verwies, wenn man sich nicht untadelig verhielt. Damals wurde das Apostolische Glaubensbekenntnis sprachlich überarbeitet und es galt aufzupassen, damit man nicht aus Versehen die alte Version aufsagte.

Später retteten die harten Kirchenbänke in Andreas die Konfirmandin manches Mal vor dem Einschlafen. Die Predigten waren bisweilen so fesselnd, dass man währenddessen mehrmals die Anzahl der Holzbretter im Ludwigsfelder Kirchen-Zeltdach zählen konnte.

Der Funke sprang bei einer Schulung für Kindergottesdienst-Mitarbeiter über, zu der mich Pfarrer Dr. Karl-Hermann Mühlhaus mitnahm. Peter Janssens spielte mit seiner Band mitreißende neue Kirchenlieder.
Einen wichtigen Rat gab mir meine Mutter bei der Vorbereitung von Andachten im Ludwigsfelder BRK-Heim mit. Ihr war es wichtig, dass man aus Andachten und
Gottesdiensten (mindestens) einen Gedanken mit in die bevorstehende Woche nehmen kann.
In Verbindung mit der Kirchenmusik kann es natürlich auch eine Melodie sein, die begleitet. Joseph Haydn hat es für die Musik so ausgedrückt: „Da mir Gott ein
fröhliches Herz gegeben hat, wird er mir schon verzeihen, wenn ich ihm fröhlich diene.“

Seit einigen Jahren berichte ich von Gottesdiensten aus unserer Gemeinde und habe es mir angewöhnt, während der Predigt Notizen zu machen. Das ermöglicht
nicht nur ein genaueres Hinhören, sondern auch, Gedanken nachzuvollziehen und weiterzuverfolgen.


Dieser eine Gedanke aus dem gemeinsamen Gottesdienst der drei KOOP-Gemeinden am 2.1.2022 heißt für mich: Alle sind bei Gott ohne Wenn und Aber herzlich willkommen.

Ist das nicht ein beglückender Wegbegleiter für das Jahr 2022…?
Barbara Bauer